Automatischer Kirchensteuerabzug auf Kapitalerträge ab dem 01.01.2015

Kirchensteuerpflichtige können bis zum 31.12.2014 wählen, wie sie die Kirchensteuer auf Kapitalerträge abführen möchten. Legt der Steuerpflichtige keinen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer vor, kann und darf die auszahlende Stelle keine Kirchensteuer einbehalten, so dass der Einzug der Kirchensteuer durch die Veranlagung zu erfolgen hat. Diese Freiheit entfällt ab dem 01.01.2015.

Kirchensteuer bis 31.12.2014

Hintergrund Einkommenssteuer:

Erfolgt die Auszahlung über ein Kreditinstitut, behält die Bank die Steuer in Form der Abgeltungssteuer ein. An die Stelle des individuellen Steuersatzes tritt der pauschale Steuersatz von 25%. Zusätzlich wird der Soli einbehalten, der 5,5 % der Steuer beträgt. Beide Steuern werden also von der Bank einbehalten und an das Finanzamt überwiesen.

 

Besonderheit Kirchensteuer:

Jeder der ca. 43 Mio. Mitglieder in steuererhebenden Religionsgemeinschaften ist zusätzlich kirchensteuerpflichtig. Dabei hat der Steuerpflichtige bisher die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, um seine Kirchensteuern abzuführen:


 

1. Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer


Jeder, der Kapitalerträge erhält und darauf Kirchensteuer zu zahlen hat, kann seiner Bank einen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer vorlegen. Damit ist Bank verpflichtet, auch die Kirchensteuer einzubehalten. Von dieser Möglichkeit wird in der Praxis äußerst selten Gebrauch gemacht.

 

2. Angabe bei der Veranlagung

 

Die zweite Möglichkeit ist, die zu versteuernden Beträge in der jährlichen Steuererklärung anzugeben, sodass das Finanzamt die Kirchensteuer berechnen kann. Auch von dieser zweiten Möglichkeit wird nicht immer Gebrauch gemacht.

 

Kirchensteuer ab 01.01.2015

Für alle Erträge, die ab dem 01.01.2015 fließen, gilt ein neues Verfahren, der Kirchensteuerabzug. Für den Kunden einer Bank oder Versicherung unterscheidet sich das Vorgehen nicht von dem der Abgeltungssteuer. Mit Einbehalt der jeweiligen Steuer ist die Steuerschuld abgegolten. Eine Veranlagung ist nicht mehr notwendig.

 

In einigen Punkten unterscheidet sich der neue Ablauf aber grundlegend. Während nämlich die Abgeltungssteuer immer 25% beträgt und nur in wenigen Ausnahmen nicht abgezogen wird, muß das auszahlende Institut für die Bestimmung des Kirchensteuersatzes Kundendaten mit dem Bundeszentralamt für Steuern erfragen.

 

Da die Kirchenzugehörigkeit eine äußerst schützenswerte Information ist, erfordert diese Abfrage ein hohes Maß an Datensicherheit. Zudem muß diese Abfrage von Kreditinstituten regelmäßig einmal im Jahr erfolgen. Versicherungsunternehmen werden im Allgemeinen nur bei Bedarf anlassbezogen Daten erfragen, z.B. kurz vor der Ausschüttung einer Lebensversicherung.

 

Informationen des BMF zur Abgeltungsteuer.

Rechtliche Grundlagen

Jahressteuergesetz 2011

Gesetz zur Umsetzung der Beitreibungsrichtlinie

Jahressteuergesetz 2013

Das Jahressteuergesetz 2013 wurde verabschiedet und veröffentlicht. Unter dem folgenden Link ist der Vorgangsablauf vom Gesetzesentwurf mit allen Abstimmungsvorgängen zwischen Bundestag, Vermittlungsausschuss und Bundesrat bis zur Veröffentlichung nachzuvollziehen.

 

5. Juni 2013 Vermittlungsausschuss erstellt Kompromissvorschlag
6. Juni 2013 Bundestag stimmt dem Kompromiss zu
7. Juni 2013 Bundesrat erteilt Zustimmung
29. Juni 2013 Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt

 

Unsere Dienstleistungen

Wir unterstützen Banken und IT-Dienstleister bei der Einführung des Kirchensteuerabzugs sowohl fachlich als auch technologisch. Wir nehmen zusammen mit 39 anderen Banken, Versicherungen und Dienstleistern an der technischen und fachlichen Usergroup von BMF und dem BZSt teil.

 

Unsere Kunden haben uns beauftragt, Lösungen für die folgenden Aufgaben zu erstellen:

  • Datenexport für die Widerrufsbelehrung
  • Datenexport für die ELMA5-Schnittstelle für das Bundeszentralamt für Steuern
  • Einlesen der Ergebnisdatei vom BZSt
  • sachlich korrekte Verarbeitung der Daten bei Kapitalerträgen
  • Sicherstellung der erforderlichen Informationssicherheit im Umgang mit Kirchensteuerabzugsmerkmalen