Liquiditätsrisiken und Strukturbeitrag

Um abweichende Laufzeitinteressen von Kreditnehmern und Sparern in Einklang zu bringen, betreiben Kreditinstitute Fristentransformationen. Dazu nehmen Banken Kapital mit kurzen Laufzeiten und niedrigen Zinsen auf und geben dieses z.B. durch Kredite oder Wertpapiere mit langer Laufzeit und höheren Zinsen weiter. Hierdurch entstehen für Banken Liquiditätsrisiken, die gerade in der Anfangszeit der letzten Finanzkrise für viele Institute eine große Rolle gespielt haben.

 

In der Novelle von 2012 zur Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) werden einige Anforderungen zur Minimierung dieser Liquiditätsrisiken gefordert. Neben der Bestimmung einer Liquiditätsreserve aufgrund von Stressszenarien (BTR 3.2) sind große Institute verpflichtet „ein Liquiditätstransferpreissystem zur verursachungsgerechten internen Verrechnung der jeweiligen Liquiditätskosten, -nutzen und -risiken zu etablieren“ (BTR 3.1). Hierfür müssen die Erfolgsquellen identifiziert und quantifiziert werden (AT 4.2). Durch die Spaltung der Ergebnisbeiträge in Konditions- und Strukturbeitrag in einer Strukturbeitragsbilanz (Marktzinsmethode) kann das Zinsergebnis ertragsorientiert gesteuert und geplant werden. 

 

Der Konditionsbeitrag (Konditionenbeitrag) beschreibt die Zinserträge aus dem eigentlichen Kundengeschäft, wo hingegen der Strukturbeitrag die Beträge aus der Fristentransformation (hier die Fristentransformation Zinsbindung) beinhaltet. Der Konditionsmargen aus Aktiva (Kredite) und Passiva (Einlagen) werden aus der Differenz der vereinbarten Zinssätze und der Referenzzinssätze (Geld- und Kapitalmarktzins – GKM-Zins) gleicher Laufzeit berechnet.

 

Der Strukturmargen können aus der Differenz zwischen Marktzinsen unterschiedlicher Laufzeiten (fristeninkongruent) gewonnen werden oder aus der Differenz der Zinsspanne(Differenz zwischen Aktiv- und Passivzins) und der Konditionsmargen. Mit dem jeweiligen Volumen verrechnet ergeben sich die jeweiligen Beiträge.

 

Strukturmarge

Durch eine Fristentransformation kann demzufolge auch ohne jegliches Kundengeschäft durch den Strukturbeitrag ein Gewinn erzielt werden. Aufgrund schwankender GKM-Zinssätze führt jedoch die Fristentransformation nicht zwingend zu einem Gewinn (Zinsänderungsrisiko). Problematisch kann es für die Bank auch werden, wenn kurzfristige Kapitaleinlagen auslaufen ohne durch neue Passivgeschäfte ersetzt zu werden. Die eigenen Kreditgeschäfte können zu diesem Zeitpunkt nicht refinanziert werden. Man spricht vom sogenannten Refinanzierungsrisiko.

 

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